„Ich wünsche Ihnen wunderschöne 44:30“ sagte Pfarrer Christof Enders, Sendebeauftragter des ZDF, kurz vor der Übertragung. Zuvor hatte er erläutert, dass der Fernsehgottesdienst aus der Stiftskirche Hannover genau 44 Minuten und 30 Sekunden lang am Sonntag zu rund 600.000 Zuschauer:innen übertragen werden wird. Sie erlebten einen Fernsehgottesdienst mit inhaltlicher und emotionaler Tiefe zum Thema „Ihr sollt sicher wohnen!“
Zum Auftakt holte die große Zuschauergemeinde Hans-Peter Daub, Theologischer Vorstand der Dachstiftung Diakonie und Diakoniekolleg-Schulpastorin Kristina Wollnik-Hagen ab: Mancher mag mit Kaffee vor dem Fernseher sitzen, eine neue Altenheimbewohnerin fühlt sich noch nicht heimisch in neuer Umgebung, für eine kinderreiche Familie ist die bezahlbare Wohnung zu klein.
„Wohnen ist elementar“ sagte Hans-Peter. Daub Wovon der Hannoversche Wohnungslosenchor buchstäblich ein Lied singen konnte. Bei Gott seien wir zu Hause, so Psalm 84 zum Auftakt. In einem „Kaleidoskop“ warfen Betroffene und Kolleg:innen Schlaglichter: Insa Brudy zeigte, wie schwer für ein Wohnprojekt sich eine Immobilie findet. Franz Bauer, selbst zeitweise obdachlos, meinte: „In Städten gehen manche hauptsächlich arbeiten, um ihre Miete bezahlen zu können“. Er selbst habe durch das „Housing-first-Programm“ erst wieder Tritt gefasst und muss nun keine Angst mehr haben wie unter der Brücke. Ein kleiner Film im Gottesdienst zeigte seine Situation. Mohammad Pourhosseini berichtet vom damals 16-jährigen Afghanistan-Geflüchteten Ferhat, der langsam in einer unserer Jugendhilfeeinrichtungen heimisch wurde nach seiner traumatischen Flucht ― und nun plötzlich einen Abschiebebescheid bekam. Sandra Brünger wünschte Menschen in Altenheimen, dass sie dort wirklich ein neues Zuhause finden. Insa Brudy las aus dem Buch Ezechiel Gottes Verheißung: „Ihr sollt sicher wohnen. … Meine Wohnung wird mitten unter den Menschen sein“.
In ihrer 7-Minuten-Dialog-Predigt meinte Kristina Wollnik-Hagen: „Sicheres Wohnen ist wie Strom oder WLAN. Ich merke erst, wie wichtig es ist, wenn es plötzlich fehlt.“ Als Menschen seien wir nicht dazu geschaffen, allein draußen zu leben. Und genau darum sei das Recht auf eine Wohnung ein elementares Menschenrecht. Hans-Peter Daub führte weiter: „Was die Charta der Menschenrechte festhält, ist ein modernes Echo auf eine göttliche Verheißung: ,Ihr sollt sicher wohnen‘.” Uneingeschränkt. Kristina Wollnik-Hagen meinte abschließend: „Wir verbinden uns mit Gott, indem wir Ja sagen ― zu seinem Versprechen.“
Die Hannoversche Gemeinde mit 180 Live-Gästen wurde zu kräftigem Gesang ermuntert. Das ZDF war drei Tage zuvor für die Live-Schalte mit mehreren Last- und Übertragungswagen und zuletzt fast 30 Mitarbeitenden angereist.
Nach dem Gottesdienst haben 18 Kolleg:innen und Mitglieder der Diakoniegemeinde in vier Schichten Telefonanrufe aus dem ganzen Bundesgebiet zum Gottesdienst entgegengenommen. Die große Mehrheit zeigte sich sehr angetan, so auch die zahlreichen Mails, die eingegangen waren.
Der ganze Gottesdienst in der Mediathek:
